UNTER DAMPF…

Mal wieder ein Hoch auf HARRY CRADDOCK und sein Savoy Cocktail Book.
Immer wieder Inspiration sich gepflegt einen hinter die Binde zu kippen.
In diesem Fall sogar luxuriös, ist dieser Drink doch nach dem namens gleichen Trans Atlantik Liner benannt worden.
Nach dem das jüngere und weitaus bekanntere Schwesterschiff, die Titanic, gesunken war, nutzten die Reichen und schönen der damaligen Zeit vornehmlich die extrem prunkvoll ausgestattete Olympic um von Southampton nach New York und zurück auf den alten Kontinent zu gelangen.

 

OLYMPIC COCKTAIL

1/3 Brandy
1/3 dry Orange Curaçao
1/3 Orangensaft

Auf Eis schütteln und abseihen.

Schlichtes Rezept, großer Genuss!!
Vorausgesetzt man verwendet recht säuerliche Orangen.
Ich hatte Blut Orangen im Haus, die zwar nicht ansatzweise rot waren, aber typischerweise relativ wenig süß. (Nur zur Not 2 cl Orange und 1 cl Zitrone benutzen.)
Der dry Curaçao von Pierre Ferrand ist schön herb, und so gaukeln Orangensaft, Curaçao und Brandy dem Trinker fast vor, er würde einen Campari Drink  trinken. Fast!
Wie so oft im Leben, eine bittersüße Versuchung, schwer zu widerstehen.

Einfach zugreifen, rauf auf die Bücke und mit wehenden Fahnen dem Untergang entgegen …

WARM TRINKEN, NICHT DUSCHEN…

Hey, Ihr wackeren Trunkenbolde und Verächter ärztlichen Rates…

Hab ich doch neulich auf COCKTAIL VIRGIN SLUT diesen famosen Drink entdeckt, der ausnamsweise auf Zimmertemperatur getrunken wird!
Klang sofort nach Kaminfeuer, ’nem guten Buch und ’ner Zigarre, die Füsse hoch…

by Joe Hines:

Smoke, WINE & SEED
4,5 cl Tawny Port
1,5 cl Busnel Calvados
5 Tropfen Peach Bitters
etwas Single Malt Scotch

Einen Cognac Schwenker mit Scotch ausspülen und weg schütten.
(pre rinsed)
Alle Zutaten, bis auf den Scotch, ohne Eis rühren, in den vorbereiteten Cognac Schwenker geben und mit ein paar Tropfen Scotch garniert servieren .

Ich habe mangels Peach Bitters ein paar Tropfen Peach Brandy genommen, des gleichen habe ich den 16 Jahre alten Lagavulin durch Bowmore Legend ersetzt.

Den im Original Rezept verlangten Busnel Calvados habe ich tatsächlich am Start, da er schon seit Jahren eines meiner lieblings Mitbringsel aus der Normandie ist. Andere Calvados Produkte funktionieren selbstverständlich auch.

Der Drink hielt absolut, was das Rezept versprach.
Der Whisky findet mit seinen Rauch Aromen in erster Linie in der Nase statt, während der Apfelbrand, der Pfirsich und der recht süße Port eine wunderbare Kombination aus Rotwein und Fruchtnoten eingehen.

So ein Glas ist ein wahrer Handschmeichler und sein Inhalt ein schwerer, lang anhaltender Gaumenschmeichler!

Schöne Sache, obwohl mir eigentlich Schmeicheleien und die dazu gehörigen Schmeichler zu wider sind…

….auf weiteres, immer gerade heraus, Euer Raul Duke…

 

P. s. HALT, HALT, HALT

Freunde von mir erfanden eines Abends im Sommer 1992, in Villa Nova de Millfontes, einen „Cocktail“, der ebenfalls handwarm und in kleinen Schwenkern genossen wurde.

 


BAGAÇO BRANDY MIEL
1/2 Bagaço
1/2 Brandy Miel

Beide Zutaten in ein Glas geben und trinken.

Der Drink schmeckt um jede Tages- und Nachtzeit, macht schwere Kopfschmerzen, aber geht runter wie Öl.
Die beiden Zutaten für sich allein genommen, sind an der Grenze des ungenießbaren.
Bagaço, ein Portugisischer Trester , schmeckt (egal welche Marke) bestenfalls ekelhaft nach ganz billigem Grappa und führt meistens zum Erbrechen.
Der Brandy Miel, ein Honiglikör, ist in erster Linie grauenvoll süß.
Zusammen jedoch…

Vor allem aber sind diese beiden Spirituosen wesentlich weniger „gefährlich“, als Medronho und so braucht man nicht auf ihn zurück greifen, um sich einen anzutrinken.
Kenner wissen schon was ich meine!

Unsere Nächte, tanzend in den Discos von Lagos, rasend am Lenkrad unseres unvermeidbaren, matt Schwarz gerollten VW Bullies und herum hängend in unzähligen Strand- und Dorfkneipen wurden nach dieser Erfindung wesentlich angenehmer.

Bei den Portugiesen hat sich der Drink leider nicht durchgesetzt, bei der Bestellung schauen einen die Wirte noch heute fragend an.

Versucht es selbst…

Das Foto entstand in Raposeira, vor Rodrigues Kneipe an der Kirche.

 

KEIN URLAUB, ABER TROTZDEM…

DURST!!!!

Vor Kurzem, als ich noch dachte, ich würde in Kürze Urlaub in der Bretagne machen, durchforstete ich meine Bar Buch Sammlung und das Internet nach Drinks, die thematisch zu meiner bevorzugten Urlaubsregion, der französischen Atlantikküste, passen würden.

Bei David A. Embury, the fine art of mixing drinks wurde ich fündig.
Habe den Drink ebenfalls im Savoy Cocktail Book und auf dem SAVOY STOMP Blog gefunden.

APPLEJACK RABBIT
(D. A. Embury)
6 cl Calvados
1 cl Orange
1 cl Zitrone
1 cl Ahornsirup
Auf Eis schütteln und in eine Cocktail Schale Abseihen.

Die Version von David Embury,ist ein wirklich empfehlenswerter Aperitif!
Nicht zu fruchtig, nicht zu süß.
Im Zusammenspiel aller Zutaten,hat dieser Drink intensive Apfelmost, oder viel mehr trockene Cidre Noten, ohne das welcher im Glas wäre.

Vor einer Portion Jarret d’Agneau pré salé oder Moule Frites sicherlich das absolut Richtige!
(…lechz…)

APPLEJACK RABBIT
(Erik flanstad, Savoy Stomp)
4,5 cl Calvados
2 cl Zitrone
3 cl Apfelsine
1,5 cl Ahornsirup
Alle Zutaten schütteln und auf crushed ice abseihen.

Dieser Drink hat alles, was ein Wodka O. nicht hat!!!

Die Version von Eric Ellestad ist geschmacklich etwas zitrus-,
vor allem aber orangenlastiger und der Calvados ist etwas weniger im Vordergrund.
Dadurch ist der Drink weniger speziell,dafür aber sehr, sehr viel süffiger!

In diesem Fall braucht man auch keine Lammkeule, es reichen durchaus ein paar Cracker!

Ich habe den Calvados durch Lambig ersetzt, was quasi das Gleiche ist, nur das letzterer statt in der Normandie, in der Bretagne gebrannt wird.

Neben dem JACK ROSE, ist der Applejack Rabbit der einzige Apfelbrand Cocktail,
der mich bis jetzt wirklich überzeugt hat!

Jetzt da mein Urlaub ausfällt, werde ich mit A. J. RABBIT’S Hilfe über meinen Gram hinweg kommen,
frei nach dem Motto:

„Trinken um zu vergessen!“

… macht müde Männer munter …

Neulich Nacht in Oldenburg, verschlug es mich das erste Mal ins „Glut und Wasser“.
Direkt am Hafen gelegen, bietet man der geneigten Kundschaft dort einfache und gut gemachte Küche, vor allem aber wirklich erstklassige Cocktails.

Wenn ich nach dem Essen schon mehrere Drinks intus habe, passiert es häufig, das ich irgendwann so richtig Durst bekomme.
„Wasserdurst“!
Aber Wasser trinken ist verschwendete Zeit, wenn auf dem aktuellen Kalenderblatt Samstag steht!
In der recht kleinen aber feinen Cocktail Karte fand sich nichts passendes zum löschen.
Auf die Ansage, ich bräuchte ’nen Durstlöscher in einem großen Glas, bot der Barkeeper spontan an, mir einen Collins mit Birnenbrand zu mixen.
Meine Güte, das traf es auf den Punkt.
Seht selbst:

WILLIAMS COLLINS 

3 cl Williams Christ Birnen brand
3 cl Vodka Zubrovka
2 cl Zitrone
1-2 cl Zucker
Alle Zutaten auf Eis schütteln und in ein Collins Glas auf frisches Eis abseihen.
Mit ca 5-8 cl Soda auffüllen.

Erfrischend!!!
Da kriegt man glatt harte Nippel von.
Mehr brauchste nich‘ zu fragn, mehr gibtet nich‘ zu sagn …

Cheers!!

WHISKY SOUR, EIN GRUNDNAHRUNGSMITTEL

Super! Heute gibt’s etwas wirklich einfaches!
Wenn man mal davon absieht, dass viele Menschen ein Problem damit haben,
sich zu entscheiden und es damit eben nicht mehr ganz so einfach ist.
Es gibt wirklich verdammt viele Möglichkeiten!

Erstmalig Erwähnung fand der Sour im allgemeinen so um die 1860, zur damaligen Zeit meistens als Brandy Sour.

Einen Sour kann man aus jeder erdenklichen Spirituose und Zitrussaft und Zucker/Sirup herstellen,
z.B. die gängigen Varianten mit Gin, Whisky oder Rum (siehe P’Tea Punch) aber auch aus Tequila, Calvados, Obstbränden, etc, etc …

So wie ich es mag:

WHISKY SOUR
5-6 cl Makers Mark
2 cl Zitronensaft
2 cl Zuckersirup
evtl. Bitters

Alle Zutaten auf Eis schütteln,
auf frisches Eis abseihen und mit Bitters abschmecken.

mit ‘ner cocktailkirsche als Garnitur biste ‘n held!!

Ich bin da meistens eher konservativ und verwende Angostura Bitters.
Ist aber reine Geschmacksache!
Des gleichen ist die Bourbon oder Rye Sorte eigentlich „Jacke wie Hose“
und ist einzig dem jeweiligen Geschmack geschuldet.
Nur mit Scotch sollte man vorsichtig sein.
Das ist nicht jedermanns Sache.

Ich selbst variiere immer wieder.
Zu meiner häuslichen Grundausstattung gehören so gut wie immer Makers Mark Bourbon und Rittenhouse 100 Proof.
Damit kannste nie was mit falsch machen. Es hilft nur probieren, probieren, probieren.
Ist ja nicht so, daß das keinen Spaß machen würde …

So lange man frisch gepressten Saft verarbeitet und hochwertige Spirituosen,
ist alles in Butter!

Zum Abschluss könnte ich jetzt schreiben:

„Sour macht lustig!“

Aber das ist mir echt zu blöööd…Kopp in‘ Nacken…