PALOMINO TRAUBE, BLAUE AGAVE UND GÄNSEBLÜMCHEN

Mal wieder was knappes Historisches trinken, was Althergebrachtes, was Schönes!
Schön einfach?
Weit gefehlt!
Der Teufel steckt schon wieder im Detail.
Meistens findet man Sidecar Rezepte, die aus drei Zutaten bestehen und zu gleichen Teilen gemixt werden.
Je nachdem, welchen Cognac, Weinbrand oder Brandy man verwendet und genauso wichtig,
welchen Orangenlikör, sind die Ergebnisse allerdings von bescheiden bis erstklassig anzusehen.

Hier eine Version:

SIDECAR
6 cl BRANDY
3 cl Zitrone
2 cl Dry Curaçao
dashes dunkler sirup

Alle Zutaten auf Eis schütteln und abseihen.

Der Sidecar ist nach David A. Embury einer von sechs Grund Cocktails, in die er die Welt der Alkoholhaltigen Drinks in seinem Buch, „The fine Art of mixing Drinks“ einteilt.

Dieses etwas abgewandelte Rezept , enthält ein bisschen braunen Zucker, um den recht trockenen Dry Curaçao von Pierre Ferrand zu kontern, denn beides zusammen gibt der Geschichte etwas mehr Tiefe, jedenfalls meiner Meinung nach.
Der Brandy ist verdoppelt worden, im vergleich zum gängigen Rezept.

Sehr ähnlich im Rezept ist die MARGARITA, ein Bestseller und Weltstar!

MARGARITA
5 cl Tequila Reposado
3 cl Limette
2 cl Cointreau
1 Dash Orange bitters
1 Dash Grapefruit Bitters
Alle Zutaten schütteln und auf frisches Eis Abseihen.
Für die Garnitur den Salzrand am Glas nicht vergessen.

Ja, ja, ja, meistens wird dieser Drink abgeseiht, und straight up in einem speziellen MARGARITA GLAS serviert.
A: Ich finde diese Gläser absolut affig.
B: Das ist geschmacklich ein sehr robuster Drink, der es durchaus verträgt on the Rocks serviert zu werden.

Über die Unsitte, eine FROZEN MARGARITA zu trinken, ist mit dem Wort Unsitte schon genüge getan.

So, liebe Leser, wer aufmerksam die obigen Zeilen verschlungen hat, und nicht nur die erwähnten Drinks, dem sollte aufgefallen sein, das man die MARGARITA ohne Weiteres als einen TEQUILA SIDECAR bezeichnen könnte.
Der Grundspirituose geschuldet, nimmt man an dieser Stelle Limette statt Zitrone, ansonsten kommt als „Flavoring Agent“ ebenfalls ein Orangenlikör zum Einsatz.

MARGARITA und SIDECAR zusammen genommen basieren wiederum auf der BRANDY DAISY und der TEQUILA DAISY!
Die DAISY ist eine sehr alte Kategorie von Cocktails, die weit ins 19. Jahrhundert zurück geht, und damals in Nord Amerika und Europa weit verbreitet war und aus einer Grundspirituose, gepaart mit Zitrus und einem Sirup, z.B. Grenadine, oder einem Likör gemixt wird. Meistens spritzt man den Drink leicht mit Soda auf.

So, jetzt sind wir, dank David A. Embury und David Wondrich wieder einmal der göttlichen Allwissenheit ein gutes Stück näher gekommen.

„Oh Allmacht, süsse Allmacht!

Zu Letzt noch dieses:
Margarita heißt DAISY, heißt GÄNSEBLÜMCHEN!

Große Drinks, viel schlau, viele Drinks, viel blau!!

EL TRAGITO DE ORO

Animiert durch das aktuelle Reiseziel des allseits geschätzten Don Sling, habe ich mich mal wieder zu mixologischen Experimenten hinreißen lassen, und das ganz erfolgreich, wie ich finde, denn der Drink mundet bei jedem Wetter…

Raul Duke’s
TRAGITO DE ORO 1

5 cl Lustau Brandy
3 cl Lustau Amontillado Escuadrilla Sherry
0,5-1 cl Likör 43

Rühren, nicht schütteln ist hier die Devise.
Serviert wird der TRAGITO DE ORO auf crushed Ice oder straight up.
Mit Orangenzeste abspritzen und die Zeste mit ins Glas geben.

Wem der Drink etwas spanisch vorkommt, liegt Gold richtig, TRAGITO DE ORO ist spanisch, bedeutet goldenes Schlückchen, besteht aus drei Zutaten, alle aus Spanien und gülden anzusehen.

Geschmacklich ein wahrer Gaumenschmeichler, Karamell und Traube vom Brandy, herbe, nussige Traubennoten vom Sherry, abgerundet mit Vanille und der Süße vom Likör 43.

Vorsicht mit dem Zucker!
Mit 0,5 cl Likör geht er gerade noch als Aperitif durch, mit 1 cl vom Dreiundvierziger ist es ganz klar ein Digestif und kommt schon recht süß daher.

TRAGITO DE ORO 2

5 cl Lustau Amontillado Escuadrilla Sherry
3 cL Lustau Brandy
1 cl Likör 43

Es wird an dieser Stelle ebenfalls auf eis gerührt und abgespritzt, aber auf keinen Fall auf Eis, sondern straight up serviert!

In dieser Variante tritt der Brandy in den Hintergrund und der Sherry spielt ganz klar die erste Geige, zusätzlich zu seinen oben beschriebenen Aromen, tritt hier deutlich seine recht ausgeprägte Säure ins Rampenlicht, weshalb der Cocktail auch ruhig einen ganzen Zentiliter Likör verträgt.

Kann mich nicht entscheiden, welcher Drink mir besser gefällt, ich glaube ich muss noch ein paar mehr davon trinken…

…und das solltet Ihr ganz bestimmt auch!!

Wollt Ihr mehr erfahren, über Sherry in all seinen Facetten, empfehle ich, sich vertrauensvoll an den Don zu wenden…

„Salut y Forca al Canut!!“

FEEL THE HIGH PUNCH…

Animiert durch Don Sling’s Sommer Motto, jede Woche einen anderen
PLANTERS PUNCH zu servieren, bin ich tief ins Innerste meiner Sammlung an Bar Büchern eingetaucht, um meiner Leber auch einen Punch zu versetzen…

David Embury’s very simple
PLANTER’S PUNCH
6 cl Meyers Rum
(4 cl Meyers, 2 cl Lemonheart overproof)
3 cl Zitrone
2 cl Zuckersirup
3 -4 Dashes Angostura Bitters

Auf Eis hard shaken und in ein Collins Glas pouren (mit dem Eis).
Das Glas mit Crushed Ice auffüllen und etwas Soda dazu geben.
Die Bitters als letztes über das Eis spritzen und nicht mehr rühren.
Mund halten, und darüber staunen, wie schön die Bitters langsam nach unten sacken.

FRED MEYERS PUNCH
6 cl Meyers Rum
4 cl starker Tee
3 cl Limette
2 cl Zuckersirup

Die Zutaten mit crushed Ice schütteln und mit eis in ein grosses Glas pouren.
Mit Crushed Ice auffüllen und ordentlich Muskat als Topping darüber reiben.

Da bekommt der Begriff Eistee einen ganz anderen Geschmack, und kommt vor allem niemals aus Long Island…

Gefunden in „Potions of the Caribbean“, von Jeff Berry.

PHILADELPHIA FISH HOUSE PUNCH
( seit ca. 1732)
3 cl Jamaika Rum
1,5 cl Lustau Brandy
1 cl Peach Brandy
1,5 cl Zuckersirup
1,5 cl Zitrone
Soda

Der Drink wird im Glas auf Eiswürfeln „gebaut“ und dann mit einem Schuss Soda aufgespritzt.
Wer möchte kann eine Pfirsich Spalte als Garnitur hinzu fügen.

Gefunden in „Imbibe“ von David Wondrich.

Für die letzten beiden Drinks empfehle ich, den Zuckersirup aus braunem Vollrohrzucker selbst herzustellen.
Vollrohrzucker hat einen sehr hohen Melasse Anteil und einen unnachahmlichen Geschmack.
Der erste würde optisch zu dunkel, deshalb verwendet man hier lieber hellen Zuckersirup.

Das Grundgerüst eines Punch besteht immer aus einer oder mehreren Spirituosen, Zitrussaft, Zucker und auf jeden Fall Wasser und oder Eis.

Des weiteren kann man das Wasser auch gut durch Champagner ersetzen, was im 18. und 19. Jahrhundert durchaus weit verbreitet war.

Damals war Punch kein Einzeldrink, sondern wurde in großen Gefäßen zusammen gemischt, der „Punch Bowl“.
Daraus resultierte die mitte des 20. Jahrhunderts bei meinen Eltern und Großeltern beliebte Bowle!

Leider wurde daraus im laufe der Zeit eine immer langweiligere, alkoholärmere Fruchtschorle, mit Säften aus der Flasche, mit-ohne Schnaps, etc…
Am schlimmsten ist es, wenn man, wie ich selber, in dem Alter ist, wo die meisten Freunde Kinder haben, und glauben ihre Blagen müssen überall und immer dabei sein.
Wo führt das hin?

Alkoholfreie Bowle und Kinder Punch!

Fuck die Scheisse!

Hält man sich ans Grundrezept ist frisch geriebene Muskatnuss historisch gesehen häufig das Topping der Wahl.
Ein paar Dashes Angostura Bitters anstelle der Muskatnuss ist ebenfalls empfehlenswert.
In beiden Fällen ist dies ein Topping, also danach nicht mehr umrühren!

Unzählige Varianten sind durch den Einsatz von verschiedensten Likören oder Fruchtsirups möglich.
Ungeübte Mixologen sollten mit dem Grundgerüst, plus ein bis zwei Zentilitern Sirup oder Likör ihrer Wahl beginnen.
Z.B. Grenadine etc…

Da kannste nix falsch machen, ausser drei stück davon zu trinken und dann mit dem Auto zum Schotten zu fahren…
…oder den oben erwähnten Kindern davon zu geben…
…wadde, wadde, dat iß doch ne Idee, vieleicht wenn Mudda nich gucken tuut…

…sach ma, wo is eigentlich der Autoschlüssel???

A Horse is a Horse: Der Valeccito

Es kommt immer wieder vor, dass aus den Schatzkisten unseres Tuns,
den alten verstaubten Barbüchern, welche liebevoll gesammelt,
wohlweislich vor Kollegen und Gästen weggeschlossen,
oft jahrelang unbeachtet ihr Dasein fristen,
eines Tages ein Brillant ans schummrige Barlicht gezogen wird um zu funkeln.

Der Valeccito ist ein solcher Edelstein.
Der Drink hat alles was mein Barkeeperherz erfreut,
eine oftmals unbeachtete Spirituose, den Pisco,
Vermouth, was den Valeccito in den Adelsstand erhebt,
Orangenlikör anstatt schnödem Zucker
und ein Hauch Zitrone, aber bitte nicht zuviel!

Architektonisch ein Art Sidecar mit Vermouth.
Aber eigentlich würde ich für diese Art Drink lieber eine eigene Kategorie aufmachen …

Recherchen bezüglich Namen und Herkunft ergeben folgendes,
gefunden habe ich den Valeccito in der deutschen Übersetzung
von Trader Vic’s Bartenders Guide,
welche auf der revised Edition von 1972 basiert,
in der 1948 Ausgabe wird der Drink meines Wissens noch nicht erwähnt.

Zum Namen ergibt sich leider nicht soviel,
außer das etliche Dressur Pferde mit diesem Namen bedacht wurden
und das der Begriff wohl aus den Italienischem stammt und dem nach
[Wahle-chito] ausgesprochen werden würde, ich wette aber nicht darauf.

Aber auf den flüssigen Vertreter könnt ihr getrost hohe Summen setzen,
ihr werdet nicht enttäuscht sein.

Valeccito
3cl Pisco
3cl French Vermouth
1,5cl Curaçao (Ich habe Grand Marnier verwendet.)
1,5cl Frische Zitrone
(Die 1,5cl sind hier Maxximum eher weniger nehmen,
der Drink soll nicht sauer sein sondern trocken.)

Dashes Orangeflowerwater stehen dem Pferdchen gut zu Gesicht sind aber Optional.
Schütteln auf Eiswürfel und in ein elegantes Cocktailglas feinstrainen,
da etwaige Eissplitter dem Drink die Eleganz nehmen.

Garniert wird mit einer Zitronenzeste.

Little Known Fact:
Der Housedrink der S.S.Mprezz, der Mprezz,

ist eine Gin Variante des Valeccito.

On your Marks!

KAHALA SHIRTS AND DRINKS…

Pfingsten war feines Wetter, es war Besuch im Garten und es gab keinen Grund, nichts zu trinken!

Hier ist einer von Trader Vic’s genialen Einfällen für solche Gelegenheiten …

KAHALA COOLER

3 cl Havanna Club 3 J
3 cl Brandy 
3 cl frische Ananas
2 cl Amer Picon
1 cl Limette
1 cl Grenadine
1-2 cl Zuckersirup
Shake on Ice ’n‘ pour into Collins Glas, fill up with crushed Ice and garnish with a spent Limeshell and Mintleaf.

(bei Ananas aus der Flasche nimmt man 1,5 cl Limette und keinen Zuckersirup)

Als ich dieses Rezept zuerst laß, stach mir sofort der Name ins Auge, heißt doch meine lieblings Hawaiihemd Marke „Kahala“.
Zum Namen kam noch der Picon in der Rezeptur und die Würfel waren gefallen.
Ich musste meiner Obsession fröhnen …

Hier paaren sich Rum und Brandy perfekt mit den enthaltenen Früchten und das Ganze wird komplett unterlegt von schweren Bitter Orangen und dunklem Karamel aus dem Picon.

Man könnte meinen, man würde irgendwie Sauerkirsche heraus schmecken.

Ein sehr guter Begleiter bei Tag und Nacht …

(„sorry, hatte dem Zwerg extra gesagt er soll alles sauber wischen …“)