RAY BARIENTOS

Vor geraumer Zeit saß ich mit Freunden am Tresen der Mprezz und genoss die Gastfreundschaft des Don und seine formidablen Drinks.
Irgendwann zu später Stunde erzählte er uns von einer Griechenland Reise und von einer Athener Bar, dem Baba au Rum, die er als eine der besten der Welt bezeichnete.
Der Inhaber dieser Bar erfand folgenden, unglaublich wohlschmeckenden Rum Cocktail….

Thanos Prunarus
RAY BARIENTOS
4 cl Pampero Anniversario
2 cl Limettensaft
1 cl Orangensaft
1 cl Cherry Brandy
1,5 cl Zimtsirup
Alle Zutaten auf Eis schütteln und in ein Cocktail Glas abseihen.
Oben drauf ein paar Spritzer Grapefruit Bitters

Der Drink wird ohne Strohalm und Orangenscheiben serviert! Wer will, kann Ihn mit einer Orangenzeste abspritzen und die Zeste als Garnitur ins Glas geben.

Alle Säfte frisch gepresst, versteht sich wohl von selbst, oder…

Thanos Prunarus verwendet im Original mit Ron Zacapa 23, aber der ist mir viel zu teuer, ihn in einen Drink zu verklappen.
Man nehme einfach einen dunklen, süßen und kräftigen Rum, der Don empfahl mir z.B. Pampeiro Aniversario und wo er Recht hat, hat er Recht.

Dieser Cocktail ist ein süßer Traum, herbstlich, fast weihnachtlich im Geschmack, passt er gut in diese Zeit des Jahres, in der die Geschäfte wieder einmal überquellen, von Spekulatius, Domino Steinen, Marzipan Kartoffeln und Pfeffernüssen.

Beim Einkaufen geht mir das allein optisch schon gehörig auf den Sack, man hat den Eindruck, man würde gefoltert mit diesem ganzen Kram!

Beim Trinken sieht das schon wieder ganz anders aus.
Man ist ja nicht gezwungen Glühwein aus dem Karton, oder Berentzen Weihnachtszauber aus Eierbechern zu saufen…

Probiert ihn aus, meine lieben…
Einer meiner lieblings Drinks!!!

Photo von Elke Seiler

JOCOCOHANNA

OH MEIN GOTT! SIE WOLLTE UNBEDINGT … PIÑA COLADA, ODER SO!

Ähhh, geht eigentlich gar nicht!
Hab mich den ganzen Abend geweigert.

„Irgendwas mit Sahne, aber nichts mit Minze, am liebsten aber Piña Colada … aber bitte mit Sahne …“

Irgendwann gegen Mitternacht hab ich mich erweichen lassen, da wir an diesem Abend ausnahmsweise frische Ananas im Haus hatten.

Hab, locker aus dem Handgelenk ’ne eigene Mischung zusammen gekippt, der Ehre halber …

Raul Duke’s
JOCOCOHANNA
4 cl Dark Jamaican Rum
1,5 cl Falernum
1,5 cl Apricot
3 cl frische Ananas
2 cl Kokosmilch
2 cl Limette
Ananas im Blender pürieren und dann alle Zutaten auf Eis schütteln und auf crushed Ice abseihen.

Gar nicht schlecht.
Nicht ganz so fettig aufgrund der fehlenden Sahne, und auf jeden Fall besser als das Original!

Alle haben ausgetrunken und Johana hat gelächelt.

FEEL THE HIGH PUNCH…

Animiert durch Don Sling’s Sommer Motto, jede Woche einen anderen
PLANTERS PUNCH zu servieren, bin ich tief ins Innerste meiner Sammlung an Bar Büchern eingetaucht, um meiner Leber auch einen Punch zu versetzen…

David Embury’s very simple
PLANTER’S PUNCH
6 cl Meyers Rum
(4 cl Meyers, 2 cl Lemonheart overproof)
3 cl Zitrone
2 cl Zuckersirup
3 -4 Dashes Angostura Bitters

Auf Eis hard shaken und in ein Collins Glas pouren (mit dem Eis).
Das Glas mit Crushed Ice auffüllen und etwas Soda dazu geben.
Die Bitters als letztes über das Eis spritzen und nicht mehr rühren.
Mund halten, und darüber staunen, wie schön die Bitters langsam nach unten sacken.

FRED MEYERS PUNCH
6 cl Meyers Rum
4 cl starker Tee
3 cl Limette
2 cl Zuckersirup

Die Zutaten mit crushed Ice schütteln und mit eis in ein grosses Glas pouren.
Mit Crushed Ice auffüllen und ordentlich Muskat als Topping darüber reiben.

Da bekommt der Begriff Eistee einen ganz anderen Geschmack, und kommt vor allem niemals aus Long Island…

Gefunden in „Potions of the Caribbean“, von Jeff Berry.

PHILADELPHIA FISH HOUSE PUNCH
( seit ca. 1732)
3 cl Jamaika Rum
1,5 cl Lustau Brandy
1 cl Peach Brandy
1,5 cl Zuckersirup
1,5 cl Zitrone
Soda

Der Drink wird im Glas auf Eiswürfeln „gebaut“ und dann mit einem Schuss Soda aufgespritzt.
Wer möchte kann eine Pfirsich Spalte als Garnitur hinzu fügen.

Gefunden in „Imbibe“ von David Wondrich.

Für die letzten beiden Drinks empfehle ich, den Zuckersirup aus braunem Vollrohrzucker selbst herzustellen.
Vollrohrzucker hat einen sehr hohen Melasse Anteil und einen unnachahmlichen Geschmack.
Der erste würde optisch zu dunkel, deshalb verwendet man hier lieber hellen Zuckersirup.

Das Grundgerüst eines Punch besteht immer aus einer oder mehreren Spirituosen, Zitrussaft, Zucker und auf jeden Fall Wasser und oder Eis.

Des weiteren kann man das Wasser auch gut durch Champagner ersetzen, was im 18. und 19. Jahrhundert durchaus weit verbreitet war.

Damals war Punch kein Einzeldrink, sondern wurde in großen Gefäßen zusammen gemischt, der „Punch Bowl“.
Daraus resultierte die mitte des 20. Jahrhunderts bei meinen Eltern und Großeltern beliebte Bowle!

Leider wurde daraus im laufe der Zeit eine immer langweiligere, alkoholärmere Fruchtschorle, mit Säften aus der Flasche, mit-ohne Schnaps, etc…
Am schlimmsten ist es, wenn man, wie ich selber, in dem Alter ist, wo die meisten Freunde Kinder haben, und glauben ihre Blagen müssen überall und immer dabei sein.
Wo führt das hin?

Alkoholfreie Bowle und Kinder Punch!

Fuck die Scheisse!

Hält man sich ans Grundrezept ist frisch geriebene Muskatnuss historisch gesehen häufig das Topping der Wahl.
Ein paar Dashes Angostura Bitters anstelle der Muskatnuss ist ebenfalls empfehlenswert.
In beiden Fällen ist dies ein Topping, also danach nicht mehr umrühren!

Unzählige Varianten sind durch den Einsatz von verschiedensten Likören oder Fruchtsirups möglich.
Ungeübte Mixologen sollten mit dem Grundgerüst, plus ein bis zwei Zentilitern Sirup oder Likör ihrer Wahl beginnen.
Z.B. Grenadine etc…

Da kannste nix falsch machen, ausser drei stück davon zu trinken und dann mit dem Auto zum Schotten zu fahren…
…oder den oben erwähnten Kindern davon zu geben…
…wadde, wadde, dat iß doch ne Idee, vieleicht wenn Mudda nich gucken tuut…

…sach ma, wo is eigentlich der Autoschlüssel???

Fruit Daiquiri – Tropical Pleasure or Pain in the Ass?

… Daiquiri ist eine Bergbaustadt im Osten von Cuba
wo eventuell ein Ingenieur den Drink notierte um damit seine Gäste zu erfreuen …

Hach, alleine das Wort schon: Dai-qui-ri,
ganz im Sinne von Don Blandings Gedicht „Names are Ships“,
trägt es dich fort, an ferne tropische Gestade, zaubert dir ein Lächeln ins Gesicht,
die Last des Alltags verfliegt.

Der Daiquiri ist in seiner klassischen Zubereitung,
eigentlich nur ein besonderer Rum Sour.

Es gibt etliche Geschichten und Legenden, wie der Drink nun genau entstanden ist
und um was es sich dabei handelt, mehr dazu in einem anderen Artikel.

Don Sling möchte hier mal seine ganz persönlichen Vorlieben für Fruit Daiquiris vorstellen.

Generell eine sehr leckere Sache,
die uns Barkeepern aber auch schnell mal entgleiten kann.
Verkommen zum Happy Hour Drink, erlitt er das gleiche schmerzvolle Schicksal
seiner mexikanischen Schwester, der Margarita.

Genug!

– Ein Daiquiri ist ein cubanischer Drink,
die Verwendung hellen cubanischen Rums macht ihn zum Daiquiri,
bei Verwendung von Jamaican Rum, Barbados Rum usw.
habe ich cocktailhistorisch gesehen schon keinen Daiquiri mehr!

– Der Einsatz eines Blenders zur Herstellung kleiner gefrorener Fruchtmonster steht ausser Frage.
Am absoluten Nullpunkt existiert kein Geschmack mehr, nur Hirnfrost – Wer’s mag.

Allerdings kann man den Daiquiri ohne Eis vorblenden und dann auf Cubes kaltschütteln.
Macht aber nur Sinn wenn es von Nöten ist, den Fruchtanteil so zu zerschrotten, dass er eine feine Konsistenz hat, Minze, Ananas, siehe z.B. Missionarys Downfall
Deshalb schüttelt der Don seine Daiquiris meist im Boston Shaker, gerne so hart, dass sich kleine erfrischende Eisstückchen bilden, beim Daiquiri paßt das, sonst eher nicht.

– Weniger ist mehr,
Frische zählt, gefrorenes Fruchtpüree jeder Art finde der Don nicht sonderlich toll,
auch wenn es gut schmeckt.
Davon mal abgesehen sollten die Fruchtbeigaben irgendwie zur Region passen,
Erdbeer, Brombeer, Himbeer? Nicht sehr karibisch.
Kokos, Maracuja, Falernum? Schon eher.

Erhalten wollen wir auch den Grundcharakter des Drinks,
ein Daiquiri ist leicht, leicht und flüchtig.
Also überladen wir ihn nicht mit Unmengen an Frucht,
wir wollen keinen süßen Nachtisch daraus machen.

Drei Vorschläge für etwas andere Daiquiris

Coco Daiquiri
5cl 3 Años Havana Club
2-3cl frischeste Limette (Handpresse!)
2cl Riemerschmidt Kokossirup (Nur der aus der 0,5l Flasche!)
oder CocoTara
optional 2-3cl Coconut Water

Maracuja Daiquiri
5cl 3 Años Havana Club
2cl frischeste Limette (Handpresse!)
1/2 -1 Maracuja je nach Größe
1,5cl Rohrzuckersirup
o. 1,5cl Riemerschmidt Maracujasirup (Nur der aus der 0,5l Flasche!)

Don’s Daiquiri (Falernum Daiquiri)
5cl 3 Años Havana Club
2-3cl frischeste Limette (Handpresse!)
1cl Monin Falernum Sirup
1cl Velvet Falernum

Alle drei Varianten richtig kräftig schütteln und in eine gefrorene Cocktailschale abseihen,
eventuell den Gast fragen ob Fruchtanteile und Brucheis im Glas gewünscht sind.
Auf Garnituren verzichtet der Don bei Daiquiris gerne,
lassen wir lieber die schlichte Eleganz sprechen

¡Salute! und boykottiert Bacardi!

BIS ZUM FRÜHEN MORGEN…

Samstag Abend, die geladenen Freunde sind eingetroffen und ich steh an den Shakern, alles bereit für das, was da kommen mag …

Zeit für den ersten Gang …

Albert Carillos FROSTY DAWN von 1954

FROSTY DAWN
7 cl Puerto Rico Rum
2 cl Falernum
1 cl Maraschino
2 cl Orangensaft
1 cl Limette
Alle Zutaten auf Eis schütteln und auf frisches Crushed Ice abseihen.

Im Original enthält der Drink nur O-Saft, das war mir aber zu flach!

1 cl Limette wirkt da Wunder!

Rum aus Puerto Rico nenne ich nicht mein Eigen, so habe ich es frei nach Schnauze durch eine Mischung aus Havana Club und Wray & Nephew ersetzt.

Erstklassig im Geschmack, funky!
Im ersten Moment denkt man, „ach, nur ein weiterer karibischer Rum Cocktail, aber im Abgang kommt, trotz der geringen Menge, der Maraschino mit seinen Kirschnoten deutlich zur Geltung und kitzelt die Zunge mit unerwartetem.

Wunderbar, das alles!

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