IM CLANDESTINEN TIKI LABORATORIUM

Die Sonne scheint immer noch erbarmungslos vom Himmel, die Augen krampfhaft zusammen gekniffen, die Zunge schwillt an und klebt am Gaumen, dann ist es Zeit für gepflegte Tikikultur!

Ich habe vor ein paar Tagen in Jeff Berrys „Potions of the Caribbean“ diesen feinen Drink entdeckt.

Don the Beachcombers:

ROMAN TWIST
4 cl Makers Mark Bourbon
2 cl Tia Maria oder kalúha
2 cl Orgeat
2 cl Zitrone
2 cl Orange
Shake on Ice and strain on crushed ice.
Mint Garnish.

Bei diesem Drink habe ich alle Zutaten, ausser der Spirituose, um ein Drittel gekürzt.
Im Original war es mir einfach viel, viel, viel zu süß

Hier ist tatsächlich mal ’n Tiki Mug angebracht, denn die Farbe des Drinks ist so irgendwo bei ’nem Milchkaffee gelandet.

Aber trotz der Farbe, sehr, sehr lecker, das!
Schreit nach Wiederholung, der Drink!

Aber, in meiner mir eigenen totalen Selbstüberschätzung fand ich sofort, das da viel Raum für Experimente ist.

Letzte Woche habe ich mir eine schöne Pulle Mezcal gekauft, die wollte unbedingt geköpft werden.
Die Zitrusfrüchte habe ich der Spirituose angepasst.

OAXACA TWIST
4 cl San Cosme Mezcal
2 cl Café-Tequila-Likör
2 cl Orgeat
2 cl Orange
2 cl Limette

Zubereitung wie oben.

Heidewitzka, ik glob ik dreh duach, waa …

Ist die Bourbon Variante einfach „nur“ ein Karamellbonbon, mit Zitrus, Marzipan und Kaffee Noten, so hat der OAXACA TWIST durch den fehlenden Bourbon ein bisschen weniger Karamell, ist aber um eine, dem Mezcal geschuldete Rauch Note reicher.
Der Drink gewinnt sehr davon, da er so etwas an Gefälligkeit verliert,
aber wesentlich facettenreicher daher kommt, als vorher.

Mit Reposado Tequila schmeckt es ebenfalls sehr gut und sollte dann JALISCO TWIST genannt werden, nach der Stadt und Region, in der dieser, durch Sierra und ähnliche Schrott Tequila immer noch unterschätzte Schnaps gebrannt wird.

Last but not least habe ich noch den CLANDESTINO TWIST im Angebot, in den sich, sehr clandestin, eine „neue“ aber mexicotypische Zutat eingeschlichen und eine „alte“ verdrängt hat!

Mozart gegen Orgeat!
Kakao gegen Mandel!

Und, oh Graus, das Mischungsverhältnis ist auch anders …

Raul Duke’s

CLANDESTINO TWIST
6 cl Mezcal
3 cl Café Likör
3 cl Mozart Likör
2 cl Orange
1 cl Limette

Zubereitung wie oben.

Süß wie hulle, aber wunderbar, die Schoko-Café-Zitrusmischung, unterlegt mit den rauchigen Noten des Mezcals.

So ist am Ende des Tages etwas ganz neues entstanden!

Dieses ist dann auch eine Eigenkreation von mir, Raul Duke himself!

Meine Fresse, ich bin aber auch ’n geiler Macker, mal ehrlich …

COPA TRAS COPA, BOTELLA TRAS BOTELLA…

Letzten Sonntag hatte ich das starke Bedürfnis, den letzten Rest Tequila der sich noch im Haus befand, herunter zu schlucken, um die gruseligen 35 % in Frankreich zu verdauen.

Auf der Suche nach etwas starken fand ich auf  PUNCHDRINK.COM etwas vielversprechendes, das mich ablenken und auf angenehmere Gedanken bringen würde!

Seht selbst …

THE GREENBELT

3 cl Tequila Blanco
1 cl Chartreuse grün
1,5 cl VELVET Falernum 
1,5 cl Limette
3 cl Verditas (s.u.)
1 Prise Salz
Evtl. Agaven Sirup, je nachdem, wie süß die Verditas sind.
Ich habe darauf verzichtet.

Alle Zutaten auf Eis schütteln und auf frisches Eis abseihen.
Als Garnitur bieten sich Chili, Limette und Ananas Blätter an.

Im Original Rezept verwendete Matthew Ross den Kräuterlikör „Génépy“, aber dieses Zeug habe und hatte ich noch nie zur Hand.
Nach einiger Recherche im Netz habe ich es durch grüne Chartreuse ersetzt.

„AY CABRON!“
Ich bin begeistert!
Auf meiner Zunge tummeln sich Ananas, Chilis, frische Kräuter, die Kräuter der Chartreuse
und mit kurzer Verspätung kommt der Tequila durch.
Der Geschmack des Getränks bleibt minutenlang auf der Zunge,
bis am Ende nur noch ein leichtes Prickeln von Chili zurück bleibt.

Die Aromen in Nase und Mund fühlen sich tatsächlich mexikanisch an,
gerade so, als würde man nachts mit reichlich Schlagseite an irgendeiner Strassenbude in Zacatecas oder Oaxaca noch ’n schönen Taco mit gegrilltem Ziegenfleisch, scharfem Sößchen und ordentlich Grünzeug esen.

Verditas
1 Ananas
1-2 grüne Jalapeño Chilis
ca 1/2 Bund Koriander
ca 1/2 Bund Minze
Alle Zutaten im Mixer „Blenden“ und kalt stellen.

Schmeckt übrigens auch am nächsten Tag noch super lecker, man kann es also gut vorbereiten.

In Mexico trinkt man Verditas, ein Glas nach dem anderen, vor einem Tequila oder Mezcal,
wie es schon Pedro Infante in seinem Lied „COPA TRAS COPA“ besungen hat …

PALOMA ODER FRESCA???

Ich stolperte schon letztes Jahr über diesen Drink, als ich mal wieder auf cold-glas.com meinen Horizont erweitern wollte.
Dort wird er PALOMA genannt.
Die ersten Schlückchen begeisterten mich derart, das ich noch bevor das Glas geleert war,
dem guten alten DON SLING ein Bild und das Rezept gemailt habe.
Er war verwundert, woher dieses Rezept denn kommen würde,
denn ihm war es bekannt unter dem Namen FRESCA.

Wie sich herausstellte, ist es der gleiche Drink, der einfach seinen Namen ändert, je nachdem welche Grapefruit Limonade man dafür verwendet.

Das kurze, aber schnelle Rezept, das am häufigsten anzutreffen ist, stellt sich wie folgt dar:

5 – 6 cl Tequila in einem mit Eiswürfeln gefüllten Highball Glas mit Grapefruit Soda auffüllen und die Abenteuerlustigen unter Euch quetschen noch eine halbe Limette in den Drink.

Diese Variante hat bestimmt ihre Berechtigung, ist sie doch so zu sagen der ASBACH COLA Mexicos.
Schnell gemacht und absolut lecker.
Yummy!!

Da ich jedoch Diabetiker bin und aus gutem Grund fertige, meist zuckerhaltige Limonaden meide,
gefällt mir diese frisch gemachte Version wesentlich besser …


Ich nenne es mal …

PALOMA FRESCA

6 cl Tequila
6 cl Grapefruit
1,5 cl Limette
2 cl Sirup
Prise Salz

alle Zutaten auf Eis schütteln, in ein mit Eis gefülltes grosses Glas abseihen und mit ca 6 cl Soda auffüllen.

„Hossa, wie lecker is dat denn??“

Und man weiß was drin ist!

Gibt es wohl auch Bio Tequila?

Und … äh, ist der Drink auch vegan??

Ay Carajo nochmal, schenk ein Amigo Chanchito …

Maria Verde (Working Title)

Mezcal ist in aller Munde, ob’s auch allen schmeckt oder schmecken muss, lasse ich dahin gestellt.
Für den Barkeeper ist der rüde mexikanische Bruder des Tequila eine erfrischende Herausforderung.

Maria Verde

5cl Mezcal
(Ich empfehle einen eher simpleren Mezcal zu wählen,
damit lässt sich der Agavenbrand auch Anfängern vermitteln.)

2cl frische Limette

1cl Agavendicksaft

2-3 Ringe frische rote Chilli

4-5 Scheiben geschälte Gurke

1 Paar Blätter frischer Koriander

Dashes Sellerie Bitters

Eine Prise Salz

Sehr kräftig schütteln.
Für eine rotzige Variante einfach in Tumbler pouren
oder auf frische Eiswürfel abseihen, hier eventuell doublestrainen,
dadurch wird die Textur des Drinks feiner.

Garnieren mit Gurkenscheiben & Korianderblättern.

Ehre wem Ehre gebührt,
abgeguckt ist die Idee von einem Drink den ich im Stagger Lee probierte.
Dabei handelte es sich aber eher um eine Art Mezcal Sour,
die Idee der Maria Verde soll tatsächlich in Richtung Bloody Maria führen.

¡Salute!

KEINE GUTEN VORSÄTZE …

Frohes verschädeltes Neujahr!!!
Ja, heute wird sich kurz gefasst, sofern mir das gelingt …
Zu diesem Drink kann ich eh nicht viel sagen.
Er geht auf Trader Vic zurück, zumindest findet El Diablo in seinem Buch „Trader Vic’s Bartender’s Guide“ Erwähnung.
Aber auf der MPREZZ wars, damals, 2015, das ich von diesem Teufel das erste Mal kostete.
Im Sommer des selben Jahres wurde er einer meiner Lieblingsdrinks!
Auch war es, glaube ich, der erste kohlensäurehaltige Drink den ich gerne trinken mochte, Cuba Libre mal außen vor gelassen.
Bei warmen Wetter ein erstklassiger, unglaublich gut schmeckender Durstlöscher!

Bei richtig grauem Wetter hilft er auch über so einiges hinweg …

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EL DIABLO
5 cl Tequila 
2 cl Limette
2 cl Cassis
Alle Zutaten auf Eis schütteln und auf frisches Eis abseihen.
Mit ca 0,1 l Ginger ale oder Ginger Beer auffüllen.
Als Garnitur passt ’ne Limettenscheibe.

Ginger Ale ist meine bevorzugte Wahl.

Bei der Auswahl der Spirituose ist vieles möglich …
Der Drink funktioniert sowohl mit Blanco Tequila, als auch mit Reposado Tequila.
Das der aus 100% blauer Agave bestehen sollte und deshalb „Sierra“ (würg) und selbst „Jose Cuervo“ ausscheiden, versteht sich wohl von selbst.

Und nun, frei nach einem Lied aus alten Tagen:
„…am nächsten Tag, ist die Großstadt nicht mehr grau,
am nächsten Tag, haste Freunde, haste Frau…“
(Razzia, HH)